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In China ist alles anders- nur die Friseurausbildung nicht

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Allgemeines

Im Rahmen eines Schüleraustausches mit einer Berufsschule  in der Nähe von Shanghai hatte ich im Frühjahr das Glück viele Sehenswürdigkeiten, die Kultur Chinas und eine Schule kennenzulernen. Überraschend: Fast alles ist dort anders, nur die Friseurausbildung nicht.

Ins Leben gerufen wurde dieser Austausch vom Land Schleswig-Holstein, an dem mehrere Schulen teilgenommen haben, so auch die Berufsschule Elmshorn. Bereits im September letzten Jahres hatten wir eine Gruppe chinesischer Schüler und Lehrer an unserer Schule zu Gast, die Schüler wurden dabei von deutschen Familien aufgenommen.

 

In der ersten von zwei Reisewochen besuchten wir in Peking u.a. den Sommerpalast, den Himmelspalast, viele moderne und alte Stadtviertel und natürlich einen Teil der chinesischen Mauer. In Shanghai beeindruckten dann neben der Skyline von Pudong, dem neu erbauten Geschäftsviertel, vor allem die unfassbar großen Menschenmengen. „Langnasen“ (Europäer) sind für Chinesen eine Besonderheit, so sind wir vermutlich inzwischen in vielen chinesischen Fotoalben verewigt.

Ganz besonders „anders“ war für uns das Essen: Chinesen essen nicht nur außerordentlich geräuschvoll und verwenden keine eigenen Teller, sie essen auch wirklich alles, „was vier Beine hat und kein Tisch ist und alles, was fliegen kann und kein Flugzeug ist“. Letzteres übrigens wirklich, von der Kralle bis zum Schnabel wird alles serviert. Praktisch erlebt haben wir das erstmals bei einem Pekingentenessen, zu dem wir eingeladen wurden, und bei dem neben den bekannten Fleischstücken auch die Füße und der Schnabel in einer Art Gulasch auftauchten. Wirklich spannend und ungewöhnlich sind in diesem Zusammenhang auch die Snacks, die in kleinen Garküchen oder auch größeren Verkaufsbuden angeboten werden: Geröstete Hühnerkrallen und Krebse in Schale werden von Spießen geknabbert und rückstandslos verspeist.

Friseurgeschäfte finden sich wie bei uns überall, von modernen, europäischen bis hin zu hygienisch stark gewöhnungsbedürftigen, die der Kunde vor allem an den draußen zum trocknen aufgehängten, gebrauchten Handtüchern sofort erkennt. Auch beim Personal gibt es große Unterschiede, ich habe von motivierten Fachkräften bis zu schlafendem Personal alles gefunden.

Die zweite Woche unserer Reise verbrachten wir in Ningbo, das etwa 60 km von Shanghai entfernt ist. Wir Lehrer waren in einem Hotel untergebracht, die Schülerinnen und Schüler wurden gleich bei der Ankunft von ihren Gastfamilien abgeholt. Sie hatten so die Gelegenheit, chinesisches Familienleben kennenzulernen, wobei die Erfahrungen zum Teil sehr unterschiedlich waren. Manche waren in eigenen Häusern untergebracht, andere mussten sich Zimmer mit mehreren chinesischen Kindern teilen. Die deutschen Schüler kamen gut zurecht, allerdings hätte es ohne mobile Telefone und ihre Übersetzungsprogramme wohl kaum eine Kommunikation unter den Beteiligten gegeben. Chinesen lernen Englisch in der Schule, dabei beschränken sie sich aber auf Lesen und schreiben, gesprochen hat es noch keiner.

Gemeinsam mit den Schülern durften wir Lehrer an einer Fahnenzeremonie am Morgen teilnehmen bevor wir uns ausgesuchte Unterrichte ansehen durften. Die Schule in Ningbo bietet eine große Anzahl verschiedener Berufsausbildungen an, so z.B. Friseure, Schneider und  Modezeichner, aber auch Gabelstaplerfahrer oder Restaurantfachleute. Die Schule hat verschiedene Kooperationsbetriebe, z.B. Industrieunternehmen, Hotels oder auch Klavierbauer. Uns wurden verschiedene traditionelle Fächer vorgestellt wie die Kalligraphiekurse, die Teezeremonie oder das Nähen von Tigerschuhen (traditionelle Brautgeschenke), in denen wir uns unter Anleitung freundlicher chinesischer Schüler selbst versuchen durften.

In den Friseurfachräumen der Berufsschule in Ningbo hätte ich, nach einigem Saubermachen, gleich unterrichten können: etwa 25 Schülerinnen (ungewohnt in Einheitskleidung) arbeiten hier an Übungsköpfen oder in Partnerarbeit. Sie schnitten Übungsköpfe, versuchten sich am Föhnen einer Bombage oder schminkten sich gegenseitig.

Weitere praktische Arbeit leisten die Schülerinnen im schuleigenen Salon. In einer kleinen Ladenstraße bieten hier verschiedene Handwerke ihre Dienste an. Der Salon ist klein, hat einen Empfangstresen, ein Waschbecken und zwei Arbeitsplätze. Sauberkeit war auch hier eher ein Fremdwort, anscheinend nimmt man es damit hier nicht so genau.

Von den ca. 3000 Fotos können hier nicht alle untergebracht werden, wer mehr wissen möchte, kann sich gerne an mich wenden!
Britta Kleemiß   Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!     



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